[Rezension] Simpel

Originaltitel: Simple (französisch) |

Autorin: Marie-Aude Murail |

Verlag: Fischer |

Seiten: 295 |

Klappentext: Simpel spielt gern mit Playmobil. Er spricht mit seinem Stoffhasen. Er sagt: »Hier sind alle total blöd!«, wenn hier alle total blöd sind, und er kann total schnell zählen: 7, 9, 12, B, tausend, hundert. Simpel ist zweiundzwanzig Jahre alt, doch mental ist er auf der Stufe eines dreijährigen Kindes. Gut, dass sich sein siebzehnjähriger Bruder um ihn kümmert. Doch Simpel zu betreuen ist alles andere als simpel. Und als die beiden Brüder in eine WG ziehen, da wird es erst recht kompliziert! (Quelle: fischerverlage.de)

Allgemein: Von mir aus wäre ich vermutlich nie auf dieses Buch gekommen, ja hätte es sogar zur Seite gelegt, hätte ich es in die Hände bekommen. Aber da ich es von jemand besonderem geschenkt bekommen habe, habe ich es bis zum Ende durchgelesen und absolut nicht bereut.

Cover: Ich finde das Cover total nett und es passt irgendwie gut zum Buch, immerhin sind ja Simpel und Mosieur Hasehase drauf…

Inhalt: Ich finde es sehr interessant, was das Buch mit einem macht, bzw. mit mir gemacht hat. Es hat total gegensätzliche Gefühle in mir ausgelöst.

Ich musste das Buch öfters mal für kurze Zeit weglegen, weil es mir in der Seele weh getan hat, was Simpel alles passiert, bzw. was er macht aber nicht kapiert, dass es falsch ist, dass es nicht gut ist. Diese kindliche Unschuld in Kombination mit der Härte des Lebens ging mir nahe. Er kann ja auch irgendwie nichts dafür, was er da macht. Immerhin ist er eigentlich ein dreijähriges Kind.

Einerseits wird hier die unverschönte, harte Realität dargestellt und andererseits die rührende Naivität eines im Grunde dreijährigen Kindes. Hinter dieser eher leicht erzählten Geschichte steckt gleichzeitig so viel Ernst. Simpel bekommt ja doch das meiste mit und verarbeitet es dann auf seine eigene Art und Weise – auf diese Art, wie man sie von Kindern eben kennt. Aber zum Beispiel die Szenen, in denen er Malicroix spielt, die finde ich schon krass.

Ich muss zugeben, dass ich zwischendurch ein paar Tage nicht weiter gelesen habe, weil da im Buch gerade alles den Bach hinunter ging. Aber dann habe ich auch die letzten 100 Seiten noch gelesen und ich finde, die sind fast die schönsten.

Schreibstil: Ich mag den Schreibstil irgendwie ganz gerne, auch wenn mir der auktoriale Erzähler normalerweise eigentlich nicht so zusagt. Der Erzähler springt ja immer so von Person zu Person und das finde ich schön, weil man dann fast jede Person der WG und auch die anderen (also Zahra und Monsieur Gottlieb z.B.) etwas besser kennen lernt, als wenn es die ganze Zeit aus beispielsweise Colberts Sicht geschrieben wäre.

Und ich finde es total nett gemacht, wie in Simpels Sicht Mosieur Hasehase richtig lebendig wird. Das erinnert mich total an diesen Comic „Calvin & Hobbes“, kennt ihr den?

Charaktere: Ich habe die meisten der Charaktere, außer ein paar Ausnahmen, mit der Zeit echt in mein Herz geschlossen, besonders Simpel. Ihn finde ich total sympathisch und auf diese Art echt goldig, wie man Kinder eben süß findet. Er ist so kindlich und naiv und so hammerhaft ehrlich, das finde ich richtig toll. Ich meine, klar, kleine Kinder sind nun mal ehrlich, weil sie es einfach nicht besser wissen und Simpel ist ja im Grunde ein kleines Kind.

Colbert mag ich auch sehr gerne. Ich finde es beachtlich, wie er immer so sein bestes gibt für Simpel und auch schön zu sehen, wie es ihm dann doch das Herz bricht, als Simpel nach Malicroix muss. Ich finde Colberts Entwicklung sehr schön, wie er das mit Béatrice und Zahra das dann klar bekommt und merkt, was Béatrice eigentlich für ein Mensch ist…

Auch die anderen WG-Bewohner außer Emmanuel mag ich echt gerne. Ich finde es toll gemacht, wie jeder von ihnen so seine eigene Geschichte hat. Und ich finde es so schön, wie sie alle mit der Zeit Simpel so ins Herz schließen und dann sich alle zusammentun bei dem mit Malicroix (ich versuche gerade, nicht zu spoilern, deswegen ist das so komisch formuliert).

Wen ich ebenfalls sehr gerne mag, sind Zahra und ihre Schwester Djemilah und überhaupt Zahras ganze Familie. Aber auch Monsieur Gottlieb mochte ich mit der Zeit immer mehr. Eigentlich ist er ja ein total netter Mann. Und die Szenen von ihm und Enzo mag ich sehr gerne.

Fazit: Simpel ist ein schönes, trauriges, ernstes und lustiges Buch. Es ist ein Buch voller Gegensätze, das mich gefreut, berührt und gefrustet hat, wieder gegensätzlich. Ich bin froh, dass ich drauf gebracht wurde, denn es ist auf jeden Fall eine Leseerfahrung und ein sehr schönes, lesenswertes Buch. Ich danke dir, dass du es mir geschenkt hast, falls du das hier liest.

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