[Rezension] Neujahr

Autorin: Juli Zeh |

Verlag: Luchterhand |

Seiten: 191 |

Klappentext: Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning will mit dem Rad den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, rekapituliert er seine Lebenssituation. Eigentlich ist alles in Ordnung, die Kinder gesund, der Job passabel. Aber Henning fühlt sich überfordert. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit einiger Zeit leidet er unter Panikattacken, die ihn heimsuchen wie ein Dämon. Als er schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, führt ihn ein Zufall auf eine gedankliche Zeitreise in seine Kindheit. Schlagartig durchlebt er wieder, was ihn einmal fast das Leben gekostet und bis heute geprägt hat. (Quelle: randomhouse.de)

Cover: Im Nachhinein kann ich sagen, dass das Cover sehr gut zum Inhalt passt. Es hat direkt mit der Geschichte zu tun. Fast schon schmerzlich direkt.

Inhalt: Ich finde, die Geschichte ist total interessant aufgebaut mit dem Fahrrad-fahr-Rahmen und innerhalb diesem mit den Beschreibungen von Hennings Leben, das ja doch recht durchschnittlich und langweilig ist.

Der Rückblick in seine Kindheit ist total krass. Es tut richtig im Herzen weh, ihn und Luna in dieser verzweifelten Situation zu sehen. Ich musste eine Lesepause einlegen, so schlimm war es. Die Szene mit Henning und Luna in der Kindheit wirkt so ultra verzweifelt. Das schlimmste ist fast, dass sie ja absolut nichts dafür können und trotzdem in dieser Situation sind, die einfach zu viel ist für so kleine Kinder.

Schreibstil: Das Buch ist einerseits sehr kühl und distanziert geschrieben, aber andererseits geht es einem total nahe. Nicht so heulen-mäßig. Sondern eher so… nicht beschreiblich. Eben so, dass man fast nicht weiter lesen kann. Ein bisschen so, wie Hirngespenster (HIER) zu seiner Zeit und auch etwas so, wie die Schöpfer der Wolken (HIER).

Was ich an dem Schreibstil auch sehr besonders finde, ist, dass er so direkt ist. Er ist nicht verherrlichend oder irgendwas, sondern einfach so aus dem Leben gegriffen. So nach dem Motto, dass Urlaub eine Phase im Leben ist, die noch anstrengder ist, weil man immer die Kinder unterhalten muss und so. Jeder, der das Buch kennt, wird wissen, was gemeint ist.

Charaktere: Die Charaktere sind absolut stinknormale Menschen, wie man sie täglich auf der Straße trifft. Das finde ich echt klasse.

Henning erschien mir um ehrlich zu sein am Anfang ziemlich schwächlich und jammernd. Und Theresa ein bisschen übertrieben hart und aufrechnend. Ein bisschen so, also ob die Stereotypen von Mann und Frau vertauscht worden wären.

Aber mit der Zeit lernt man Henning besser kennen und versteht, warum er so ist, wie er ist. Das finde ich echt schön. Und er hat als Kind ja auch wirklich sehr viel durchgemacht… schrecklich.

Fazit: Neujahr ist ein echt krasses und gutes Buch, das mir trotz einer gewissen Kühle in so vielen Aspekten direkt ans Herz gegangen ist. Ich kann es jedem nur empfehlen. Ich finde es echt schwer, diesem Buch eine Sternebewertung zu geben. Aber… ich gebe 4,5 Sterne.

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